Olivo Barbieri

geboren 1954 in Italien
Lebt und arbeitet in Italien

Für die Fotoserie Site Specific, die im Jahr 2003 startete und noch immer läuft, fotografierte Olivo Barbieri mehr als 40 Weltstädte aus einem tieffliegenden Helikopter. Von Beginn an war Barbieri bewusst, dass er keine objektive Wiedergabe der Weltstädte erreichen, sondern die Fotografie in einer anderen Form nahebringen wollte. Fasziniert von einem Bild der Städte des 21. Jahrhunderts als eine Art 'Installation vor Ort' - zeitweilig, formbar und laufend in Veränderung - wollte er eine fotografische Wiedergabe der radikalen Veränderung an der typischen Form der Stadt erreichen. Für einige Aufnahmen verwendete er eine spezielle Technik, Selective focus (es werden nur einige Elemente belichtet, der Rest der Szene bleibt absichtlich verschwommen), was zu einer neuen Form der Wahrnehmung führte. Auf seinen Fotos erscheint die Stadt eher als ein Skalenmodell statt als ein echter Standort. Seine Bilder von Mexico-City umfassen die architekturalen Sehenswürdigkeiten, wie etwa die Torres de Satélitte, die UNAM Central Library und das moderne Straßennetz. In dieser Serie finden wir auch einige Abbildungen des Torre Latinoamericana - des größten Wolkenkratzers der Welt, errichtet auf einem hochaktiv seismischen Land - von verschiedenen aufeinanderfolgenden Standpunkten aus. Dies resultierte in einer Reihe still stehender Bilder, die Rahmen eines Films gleichen. Obwohl Barbieris Bilder überraschend und verzaubernd für die Öffentlichkeit sind, windet sich eine kritische Frage wie ein roter Faden durch die gesamte eindringliche Serie. Ungeachtet der Verspieltheit und des visuellen Humors enthalten die Bilder eine gewisse Düsternis, einen Anflug unpersönlicher, manchmal bezwingbarer Kräfte, die in zunehmendem Umfang das Leben der Stadtbewohner beeinflussen. In jedem Fall erzeugen Barbieris Fotos ein einzigartiges und überraschendes Bild: Eine Kombination verborgener Kriterien einer Stadt und der sich immer verändernden Grenze zwischen einem reellen Objekt und dessen Wahrnehmung und Repräsentation.

© Olivo Barbieri