Alejandro Cartagena

geboren 1977 in der Dominikanischen Republik
Lebt und arbeitet in Mexiko

Das fünfteilige Projekt Suburbia Mexicana belichtet den Bezug zwischen den städtischen Zentren Mexikos und den Außenbezirken, die ohne erkennbares System um die Zentren herum errichtet wurden. Das Projekt untersucht, wie das explosive urbane Wachstum die Landschaft veränderte sowie den Einfluss dieses Wachstums auf das Leben der Bewohner. In Fragmented cities dokumentiert der Fotograf Alejandro Cartagena den serienmäßigen Bau von hunderttausenden Sozialwohnungen in den Außenbezirken der Stadt Monterrey im Staat Nuevo Leon im Norden Mexikos. Als die Gestaltung dieser neuen Außenbezirke abgeschlossen war, kehrte er zurück in einzelne Wohnkomplexe und entdeckte dort die zahlreichen Gegensätze, mit denen die neuen Bewohner konfrontiert wurden. So wie der ökologische Einfluss, den diese Entwicklungen schufen, und die zunehmende Ungleichheit zwischen der erfolgreichen Verstädterung der Stadt und dieser neuen Fragmente von Außenbezirken. Der komplexe Bezug zwischen reichen und armen Urbanisierungsmodellen wird durch Cartagena in der Fotoserie Carpoolers weiter beleuchtet. Wir sehen Arbeiter, die in Pick-ups zusammengepfercht wurden, während sie von den Außenbezirken nach San Pedro Garza Garcia fahren – also in eine der reichsten Gemeinden Lateinamerikas. Dort sollten sie Villen errichten, Schwimmbäder ausschachten und Privateinfahrten ebnen. Ihrer Individualität entnommen durch die distanzierte Annährung von Cartagena und durch das faktische Zusammenschmelzen mit den anderen Werkzeugen auf der Ladefläche werden die Männer fast gegenseitig austauschbar. Cartagena nutzt diese Technik bewusst, um die Unsichtbarkeit der Arbeiterklasse in einer Gesellschaft zu beweisen, die sich mehr und mehr auf den materiellen Reichtum fokussiert, gelenkt von Führern, die das Land ohne deutlichen Plan immer mehr auf den Kopf stellen. Laut Cartagena hat sich Mexiko “dadurch zu einem chaotischen Ort des Wohnens entwickelt - und dies sowohl in der Stadt als auch den Außenbezirken.” Cartagenas Ziel als Fotografin besteht allerdings nicht darin, unseren Bedarf an einem Haushalt zu verurteilen, sondern auf den unvermeidlichen Widerspruch zu verweisen, mit dem wir konfrontiert werden, wenn wir den Idealen des kapitalistischen Systems folgen wollen und gleichzeitig nach ehrlichen Städten streben, um in ihnen zu leben. 

© Alejandro Cartagena